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Eine Weltraumbehörde erblickt das Licht der Welt

Die Gründungsphase

Argumente

Die USA mussten ihre Raumfahrtziele sehr schnell klar definieren. Bereits Anfang des Jahres 1958 hatte Dwight D. Eisenhower (am 4. November 1952 zum amerikanischen Präsidenten gewählt) das President's Science Advisory Council (PSAC), den wissenschaftlichen Beirat des Präsidenten, gegründet, an dessen Spitze James R. Killian stand. Im März 1958 legte der PSAC einen bedeutsamen Bericht mit dem Titel Introduction to Outer Space - Einführung in den Weltraum - vor. Er formulierte vier Argumente für ein umfassendes Raumfahrtprogramm der USA:

  1. Die Erde und ihre kosmische Umgebung weiter zu erforschen

  2. Die Landesverteidigung

  3. Nationales Prestige

  4. Neue Möglichkeiten für die wissenschaftliche Forschung

Vorschläge für ein nationales Programm waren sofort nach dem ersten Sputnikstart laut geworden. Sie kamen, wie nicht anders zu erwarten, von den Militärs und hier vor allem von der Luftwaffe. Eines ihrer Standardargumente war, "dass Luft- und Weltraum im Grunde ein einziges unteilbares Operationsfeld darstellte". Prominente Wissenschaftler wie Guyford Stever und Edward Teller standen den entsprechenden Ausschüssen vor, die "die Errichtung eines aktiven Weltraumprogramms mit dem unmittelbaren Ziel einer Landung auf dem Mond" forderten. Nun konzentrierte sich die Air Force auf ihr Projekt "Man in Space soonest" - Bemannte Raumfahrt so bald wie möglich - das Keimzelle des späteren Mercury-Programms der NASA wurde. Aber der General auf dem Präsidentenstuhl war nicht geneigt, sich zum Fürsprecher eines von den Militärs dominierten Raumfahrtprogramms zu machen. Das Konzept, Menschen in den Orbit zu bringen, hielt er für nutzlos. Lag es daran, dass Eisenhower das politische und militärische Potential der neuen Technologie völlig unterschätzte? In einem Punkt war seine Haltung jedoch klar: Zivile und militärische Aufgaben und Interessen sollten deutlich getrennt werden. Im Pentagon (das auf einem fünfeckigen Grundriss errichtete amerikanische Verteidigungsministerium) wurde Protest laut: Hatte man nicht gerade eine spezielle Institution, die Advanced Research Projects Agency (ARPA) installiert, eine zentrale Forschungs- und Entwicklungsagentur für Projekte der Spitzentechnologie, die über den einzelnen Waffengattungen stand und sich primär um den Weltraum kümmern sollte?

 

Ein grosses Raumfahrtprogramm?

In dieser kritischen Phase kam es zu einem bemerkenswerten Zusammenspiel des Republikaners Eisenhower und des Führers der demokratischen Opposition Johnson. Der Senator aus Texas hatte sich für ein grosses Raumfahrtprogramm ausgesprochen, das zentral koordiniert und geführt werden sollte. Eisenhower bestand darauf, dass ein ziviles Programm auch von einer zivilen Administration geleitet werden sollte. Es bot sich an, das NACA zum Nukleus für die geplante Einrichtung zu machen. Die staatliche Institution für die Luftfahrtforschung hatte sich rasch für das neue Medium zu interessieren begonnen und bereits auf Teilgebieten, die später für die bemannte Raumfahrt wichtig werden sollten, gemeinsam mit der Air Force erhebliche Aktivitäten entfaltet. Doch wie waren die Militärs zu überzeugen oder zu überrumpeln? Johnson ging mit List und Tücke vor. Das Pentagon erhielt den entsprechenden Gesetzesentwurf erst im letzten Moment. Der Text erweckte bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck, dass beinahe alles beim alten bleibt und nur der Name des NACA zu NASA, National Aeronautics and Space Administration, erweitert wird.

 

Die Geburtsurkunde der NASA

Während das NACA weitgehend frei war von politischen Einflüssen, sollte die neue Institution hoch oben angesiedelt sein, mit einem Leiter, der vom Präsidenten berufen wurde. Jetzt erkannte das Verteidigungsministerium, dass hier ein mächtiger Rivale aus der Taufe gehoben werden sollte, und suchte dessen Entstehung mit allen Mitteln zu verhindern. Wochenlang tobte eine politische Schlacht in Washington vor und hinter den Kulissen. Lyndon B. Johnson und sein Landsmann Sam Rayburn, Sprecher des Repräsentantenhauses, waren letztlich die überzeugenden Wortführer für eine zivile Raumfahrtbehörde. Am 29. Juli 1958 unterschrieb der Präsident den Space Act, die Geburtsurkunde der NASA.

Im August 1958 berief Eisenhower den Präsidenten des Case Technology Institute, T. Keith Glennan, zum ersten Direktor der neuen Behörde. Glennan, der renommierten Technischen Hochschule in Cleveland (Ohio) seit 1947 sehr verbunden, war weder in Washington noch in der jungen Raumfahrtszene ein Unbekannter. Seit geraumer Zeit hatte er eine wichtige Funktion in der Atomenergie-Behörde und sass zudem in einem Ausschuss, der über die Finanzierung des Vanguard-Projekts zu entscheiden hatte. Glennan war es auch, der darauf gedrungen hatte, dass der nationale Wirtschaftsausschuss anlässlich des ersten Sputnikstarts ein offizielles Glückwunschtelegramm nach Moskau schickte.

Am 1. Oktober 1958 ging das nun 43 Jahre alte NACA mit seinen etwa 8000 Beschäftigten, drei Zentren und Einrichtungen im Wert von 300 Millionen Dollar in die NASA auf. Eisenhower hatte dem Chef der neuen Organisation mit auf den Weg gegeben: "Es ist mir egal, was Sie da machen werden, solange es gut und zivil ist und unter einer Milliarde Dollar kostet." Schnell sah Glennan, dass er bald sehr viel mehr als eine Milliarde brauchen würde.

 

 

Die bemannte Raumfahrt erhält grünes Licht

Erbitterte Auseinandersetzungen

Noch in der Gründungsphase hatte die NASA ein unerwartetes "Geschenk" mit auf den Weg bekommen, das ihre Entwicklung forcierte. Es war klar, dass die Vereinigten Staaten so schnell wie möglich einen Menschen in die Umlaufbahn bringen wollten, noch vor den Sowjets. Bei der Air Force war bereits - wie erwähnt - in enger Zusammenarbeit mit dem NACA ein entsprechendes Projekt angelaufen. Lyndon B. Johnson hatte den Militärs listig die Priorität für die bemannte Raumfahrt zugesichert, um ihren Widerstand gegen die geplante zivile Behörde aufzuweichen. Inzwischen sah auch Eisenhower die Dinge anders und gab grünes Licht für die bemannte Raumfahrt, doch nicht für die Air Force. Am 18. August 1958 entschied er, dass ein solches Programm Aufgabe der neuen zivilen Behörde ist. Doch das Pentagon war damit nicht aus dem Rennen. Die ARPA, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Verteidigungsministeriums, sollte eng in das Vorhaben eingebunden werden. Als Träger war die zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereifte Atlas-Interkontinentalrakete vorgesehen.

Am 5. Oktober 1958 gab Glennan bekannt, dass die USA im Rahmen des Projektes Mercury Menschen in die Umlaufbahn bringen werden. Dieser Entscheidung vorausgegangen waren zahlreiche Konferenzen und erbitterte Auseinandersetzungen um die divergierenden Vorschläge der einzelnen Gruppen und Zentren. Den beiden Führungsspitzen, Glennan auf der zivilen und ARPA-Direktor Roy Johnson auf der militärischen Seite, gelang es schliesslich, ihre "Parteien" zu einem optimalen Konzept zu bringen.

 

Das Team

Nun galt es, die geeigneten Führungspersönlichkeiten für die neuen Aufgaben und Programme zu finden. Stellvertreter von Glennan wurde Hugh Dryden, der letzte Direktor des NACA und renommierter Wissenschaftler. Hinzu kam Abe Silverstein vom NACA-Lewis-Center. Seine neue Funktion: Direktor der Abteilung Raumflugentwicklung. In seinem Gefolge aus Cleveland war unter anderen George M. Low, der bald darauf für Raumfahrzeuge und Flugmissionen verantwortlich war. Aus Langley stiessen Robert R. Gilruth und Maxime A. Faget zur Führungsspitze der NASA. Beide sollten über lange Zeit Schlüsselstellungen in den Projekten des bemannten Raumfluges einnehmen. Am 5. November 1958 wurde die Space Task Group gegründet, der engere Expertenkreis unter Gilruth, der das bemannte Unternehmen vorbereiten sollte.

 

Die Aufgaben

Die ehemaligen NACA-Einrichtungen waren natürlich ein wichtiges Fundament für die NASA, doch die neuen Aufgaben erforderten den Aufbau neuer Forschungs- und Entwicklungszentren sowie die Einbindung bestehender Institutionen, die sich ebenfalls mit Raumfahrtprojekten befassten. Nahe Washington, bei Greenbelt, Maryland, entstand das sogenannte Space Project Center. Hier war die neue Wirkungsstätte des aus etwa 150 Personen bestehenden Vanguard-Teams, das vom NRL zur NASA transferiert wurde. Später erhielt die neue Einrichtung den Namen Goddard Space Flight Center (GSFC). Nachdem es zunächst für das Netz der Bodenstationen verantwortlich war, ist das GSFC heute das bedeutendste Zentrum für die Entwicklung von wissenschaftlichen Raumflug-Experimenten und die Überwachung von Forschungssatelliten sowie für die Sammlung und Verteilung der Daten und Ergebnisse.

 

 

Wer erreicht zuerst den Mond?

Schwierig gestaltete sich die generelle Abgrenzung des zivilen Programms zu den geplanten Raumfahrtaktivitäten der einzelnen Waffengattungen des Militärs, die zwar das eine oder andere Projekt mit den dazugehörenden Finanzmitteln an die NASA abtreten mussten, dennoch aber ihre eigenen Pläne verfolgten. Eines der Ziele war nach wie vor die Landung auf dem Mond.

 

Zwei Fliegen mit einer Klappe...

Die ARPA hatte bereits im März 1958 ein Programm in der Planung, das fünf Flüge zum Mond vorsah. Zwei Fliegen wollte man mit einer Klappe schlagen: Die Leistungsfähigkeit der Trägerraketen, die ja aus dem Waffenarsenal stammten, konnte so unter optimalen Bedingungen getestet und zugleich der Öffentlichkeit gezeigt werden, dass die Raumfahrt bei den Militärs schlechthin in besten Händen sei. Drei Missionen sollte die Air Force durchführen, zwei gingen an die Army. Die Mondsonden für die Luftwaffe waren 38 kg schwer, wovon knapp 18 kg auf die wissenschaftliche Nutzlast, darunter eine kleine Fernsehkamera, entfielen. Die von den Space Technology Laboratories gebauten Sonden enthielten ausserdem ein kleines Raketenaggregat, mit dem ein Einschwenken in eine Mondumlaufbahn möglich wurde.

Die Army-Sonden waren wesentlich einfacher konzipiert und wogen nur knapp 6 kg! Sie waren in Pasadena beim JPL entworfen und gebaut worden. Ihr Kernstück waren eine winzige Fernsehkamera mit kleiner Abtastrate sowie ein kleiner Rekorder zur Zwischenspeicherung der Bilder.

Das Programm erhielt den Namen Pioneer und begann am 17. August 1958 mit einem Startversuch der Air Force. Am Cape Canaveral sah man gespannt der Weltraumpremiere der Thor-Able-Rakete entgegen, einer Kombination aus der ballistischen Mittelstreckenrakete Thor und der Oberstufenkombination Able aus dem Vanguard-Programm. Nur 77 Sekunden nach dem Abheben explodierte die Rakete in einem mächtigen Feuerball. Eine Treibstoffpumpe in der ersten Stufe hatte sich festgefressen. Der gescheiterte Versuch bekam die Bezeichnung Pioneer 0.

 

Pioneer 1 und 2 und 2

Wusste man in den USA, dass bereits am 10. Juli 1958 in der UdSSR ein Start zum Erdtrabanten misslungen war? Die Air Force setzte den nächsten Versuch für den 11. Oktober 1958 an. Koroljows Mannschaft wollte den Amerikanern zuvorkommen. Am 23. September 1958 hob die R-7-Trägerrakete in Tjuratam ab. 92 Sekunden später ging dieses Unternehmen in Rauch und Flamme auf.

Der Start am Cape Canaveral ging reibungslos vonstatten. Auch die Stufentrennung war erfolgreich. Dann aber schaltete die zweite Stufe vorzeitig ab, so dass die Energie für die Sonde nicht mehr ausreichte, um das Schwerefeld der Erde zu verlassen. 113'854 km entfernte sich Pioneer 1 und tauchte dann 43 Stunden nach dem Start wieder in die Erdatmosphäre ein. Während des Fluges wurden Daten über die Strahlungsverhältnisse und Mikrometeorhäufigkeiten übermittelt. Fast parallel dazu, am 12. Oktober 1958, kam es in der UdSSR zu einem Startversuch, der jedoch misslang. Pioneer 2, die letzte Air-Force-Hoffnung, wurde am 8. November 1958 auf die Reise zum Erdtrabanten geschickt. Durch ein Oberstufenversagen erreichte die Sonde nur etwa 1'500 km Höhe und fiel zur Erde zurück.

 

Pioneer 3

Nun kam die Army zum Zuge. Das Ziel war anspruchsvoll. Die Sonde sollte nahe am Mond vorbeifliegen und in eine Umlaufbahn um die Sonne einschwenken. Am 6. Dezember 1958, exakt ein Jahr nach dem Vanguard-Desaster, war es soweit. Zwei Tage zuvor war in der Sowjetunion erneut ein Start gescheitert. Aber auch dem Army-Team blieb ein voller Erfolg versagt. Durch einen vorzeitigen Brennschluss der ersten Stufe gelangte Pioneer 3 nur bis in eine Entfernung von 102'333 km. Während des 38stündigen Fluges bestätigten die übermittelten Daten nicht nur die Existenz eines Strahlungsgürtels um die Erde, sondern wiesen noch auf eine weitere Region dieser energiereichen Teilchen in grösserer Entfernung hin.

 

Der erste künstliche "Kleinplanet"

Am 2. Januar 1959 gelang es der Sowjetunion endlich, mit Luna 1 eine Sonde auf Mondkurs zu bringen. Geplant war, wie man heute weiss, der harte Aufprall auf der Oberfläche des Erdtrabanten. Der Raumflugkörper verfehlte jedoch sein Ziel. Er zog in 6000 km Entfernung vorbei und wurde zum ersten künstlichen "Kleinplaneten" des Sonnensystems. Am 3. März 1959 startete die Army ihren zweiten und letzten Versuch. Er war erfolgreich. Pioneer 4 passierte den Mond in knapp 60'000 km Entfernung und schwenkte in eine Umlaufbahn um die Sonne ein. Auch diese kleine Sonde lieferte wichtige Informationen über die Strahlungsgürtel. Die Daten zeigten, dass es sich wirklich nur um relativ enge Bereiche in der Erdatmosphäre handelte. Der weitere Weg zum Mond war "sauber" und somit grundsätzlich frei für bemannte Expeditionen.

Obwohl sie noch ganz andere Ambitionen hatten, war damit das Thema "Mondflug" für die Militärs abgeschlossen. Bald wurde der Erdtrabant eine "NASA-Angelegenheit".

 

 

Bemannte Raumfahrt - wie sieht sie aus?

In den frühen fünfziger Jahren hatte die Air Force mit dem NACA die Entwicklung von Raketenflugzeugen, der sogenannten X-Serie, begonnen. Damit wollte man zunächst in jenen Grenzbereich vorstossen, der - salopp gesprochen - zwischen Luft- und Weltraum liegt. Am 17. September 1959 stieg Scott Crossfield mit der X-15, sie war für eine Gipfelhöhe von 85 km ausgelegt, bereits 41 km hoch auf. Es schien daher logisch, dass sich der bemannte Aufbruch in den Orbit mit dieser Technik vollziehen würde. Bei North American Aviation entstand bereits 1957 auf dem Reissbrett eine X-15B, ein 15-t-Raketenflugzeug, mit dem zwei Piloten drei oder mehr Erdumkreisungen ausführen und dann auf dem ausgetrockneten Salzsee beim Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien landen sollten.

Das System war mittlerweile gewählt und das meiste, was mit der Herstellung der Raumkapseln und Subsystemen zu tun hatte, war geklärt. Nun musste man sich schon bald überlegen, wer denn überhaupt ins All fliegen sollte.

 

 

Die "Glorreichen Sieben"

Für die Auswahl der zukünftigen Raumfahrer hatten die Luftfahrtmediziner einige der Grundvoraussetzungen fixiert. Die NASA fasste ihre Vorstellungen in einem Dokument vom 22. Dezember 1958 zusammen. Danach sollte die "Stellung" öffentlich ausgeschrieben werden, wobei den Kandidaten, je nach Qualifikation, "Beamtengehälter" der Vergütungsgruppen GS-12 bis GS-15, entsprechend 8'330 bis 12'770 Dollar pro Jahr, angeboten wurden. Nur Männer, kleiner als 1,80 m, zwischen 25 und 40 Jahre alt, kamen in Frage. Ausreichend war ein College-Abschluss in einem naturwissenschaftlichen Fach oder drei Jahre Erfahrung als Ingenieur oder Techniker in Forschung und Entwicklung. Der Kreis der Anzusprechenden wurde gross gewählt: Testpiloten, U-Boot-Fahrer, Arktisforscher, Bergsteiger, Tiefseetaucher konnten sich ebenso bewerben wie Männer, die als Testpersonen für Beschleunigungs- und Druckversuche in den Laboratorien der Streitkräfte gedient hatten. Offensichtlich waren physische und psychische Belastbarkeit sowie adäquates Reaktionsvermögen die primären Kriterien.

 

Voraussetzungen

Anfang Januar 1959 trafen sich Experten des Militärs und der NASA, um die Anordnung Eisenhowers umzusetzen. Man einigte sich auf sieben klare Kriterien für die Astronautenwahl:

  1. Alter unter 40 Jahre

  2. Grösse unter 1,80 m

  3. Hervorragender Gesundheitszustand

  4. College-Absolvent (Bachelor) oder entsprechendes Äquivalent

  5. Erfolgreicher Abschluss an der Testpilotenschule

  6. Flugstunden

  7. Qualifizierter Pilot für Düsenflugzeuge

 

Die Zahl schrumpft

Das Pentagon ermittelte schnell, dass 110 Piloten diese Voraussetzungen erfüllten. War diese Zahl gross genug, um schliesslich zwölf Kandidaten für die engere Wahl herauszufiltern? Es gab Zweifler bei der NASA, denn es waren ja Freiwillige, die aus diesem Kreis kommen sollten. Bereits nach dem ersten Durchgang der Tests war die Zahl der Aspiranten auf 56 und bald darauf auf 31 geschrumpft. 18 Piloten kamen in die letzte Auswahlrunde, sieben von ihnen schliesslich wurden für Mercury nominiert. Dem Rest wurde freigestellt, sich für zukünftige Programme zu bewerben. Die zukünftigen Astronauten präsentierten sich am 28. Mai 1959 vor dem Kongressausschuss für Wissenschaft und Astronautik: John H. Glenn (US Marine Corps), Walter M. Schirra jr., Alan B. Shepard und m. Scott Carpenter (alle Navy) sowie Donald K. Slayton, L. Gordon Cooper und Virgil I. Grissom (alle Air Force). Glenn war nicht nur der Älteste, sondern hatte auch die spektakulärste fliegerische Laufbahn vorzuweisen. Ihm fiel daher als "Senior-Astronaut" die Funktion des Verbindungsteams der Gruppe zum Mercury-Planungsteam zu.

 

 

Die ersten "Raumfahrttester" waren Affen

Im Rahmen des Mercury-Programms gab es im Zeitraum vom 21. August 1959 bis zum 15. Mai 1963 insgesamt 26 Starts, der überwiegende Teil waren reine Systemstarts. 20 Flüge waren ballistischer Natur, fünf gelangten planmässig in die Umlaufbahn, eine unbemannte Orbitalmission scheiterte. Zehn "Astronauten" kamen zum Einsatz.

Im Gegensatz zur Sowjetunion, die sowohl in ihrem Versuchsprogramm mit Höhenforschungsraketen als auch zum Test ihrer ersten Raumschiffgeneration für den bemannten Flug Hunde einsetzte, zogen die Amerikaner Affen vor. Das ging letztlich auf die Schule der deutschen Luftfahrtmediziner zurück, die - weit weniger im Rampenlicht stehend - ebenso wie das Von-Braun-Team in der Raketentechnik entscheidende Massstäbe in der frühen Luft- und Raumfahrtmedizin der USA gesetzt haben. Primaten konnten so dressiert werden, dass sie auf äussere Reize hin einfache Befehle ausführten, und diese Aufgabe fiel ihnen bei den Flugtests im Mercury-Programm zu.

Schliesslich war die grosse Stunde für Enos - einen Schimpansen - am 28. November 1961 gekommen. Es war das vierte und letzte Mal, dass ein Primate in der bemannten Raumfahrt zum Einsatz kam. Die NASA sah in dieser Mission mehr als nur ein Test der Rakete und der Kapsel: Das gesamte Netz der Bodenstationen sollte im Zusammenspiel seine Funktionsfähigkeit beweisen. Nach diversen Verzögerungen und Fehlalarmen hob die MA-5 endlich ab.

Alles in allem war diese Mission ein Erfolg.

 

Ein neuer NASA-Chef

Am 8. November 1960 war John F. Kennedy zum 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Er hielt am Council fest und ernannte Johnson, nun Vizepräsident, zu seinem Vorsitzenden. Bei ihm war die Raumfahrt in besten Händen. Auch ein neuer NASA-Chef musste gefunden werden: ein renommierter Wissenschaftler oder eine Persönlichkeit mit politischem Geschick und hohem Organisationstalent? In der NASA selbst favorisierte man Hugh Dryden. Doch Kennedy liess sich Zeit. Wenige Tage vor der Amtseinführung machte Johnson dann Druck. Der Präsident folgte seinem Vorschlag und ernannte mit James T. Webb einen Mann, der eine breitbandige Karriere sowohl im politischen Washington, unter anderem Staatssekretär in der Truman-Administration, als auch in der Industrie vorweisen konnte. Ein Glücksgriff, wie sich bald herausstellen sollte.

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